Liebe bis zum Ende: Ein Weg durch die Karwoche

Die Karwoche lädt dazu ein, langsamer zu werden und aufmerksam hinzuschauen. Man kann sie leicht wie einen weiteren Abschnitt im Kalender behandeln, besonders wenn das Leben hektisch oder überwältigend wirkt. Doch die Kirche bittet uns, Schritt für Schritt durch die wichtigsten Tage unseres Glaubens zu gehen. Nicht nur, um uns an sie zu erinnern, sondern um in sie einzutreten.

Der Palmsonntag beginnt mit einem Widerspruch. Jesus wird mit Jubel empfangen, und doch wissen wir bereits, wie schnell dieser Jubel sich in Ablehnung verwandeln wird. Das ist unangenehm, weil es uns vertraut vorkommt. Wir können genauso widersprüchlich sein. In einem Moment vertrauen wir Gott, im nächsten zweifeln wir, klagen oder wenden uns ab, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es wollen. Die Karwoche hält uns einen Spiegel vor und fordert Ehrlichkeit.

Im Verlauf der Woche verändert sich die Stimmung. Beim Letzten Abendmahl spricht Jesus nicht nur über die Liebe. Er zeigt sie auf eine konkrete, fast überraschende Weise. Er kniet nieder und wäscht seinen Jüngern die Füße. Auch dem, der ihn verraten wird. Es ist eine stille Erinnerung daran, dass Liebe im christlichen Sinn nicht abstrakt ist. Sie ist demütig, geduldig und oft unbequem. Sie entscheidet sich dafür zu dienen, selbst wenn es etwas kostet.

Der Karfreitag führt uns zum Kreuz. Es gibt keinen Weg daran vorbei. Es ist schwer, ungerecht und schmerzhaft. Manchmal versuchen wir, schnell darüber hinwegzugehen, um zum Osterfest zu gelangen, doch die Kirche lässt das nicht zu. Wir sollen dort bleiben, auf das Kreuz schauen und sowohl die Tiefe menschlicher Zerbrochenheit als auch die noch größere Tiefe von Gottes Barmherzigkeit erkennen. Jesus flieht nicht vor dem Leiden. Er geht ganz hinein. Das bedeutet, dass kein Teil unseres eigenen Schmerzes außerhalb seiner Reichweite liegt.

Dann kommt das Schweigen des Karsamstags. Dieser Tag kann fremd wirken, weil scheinbar nichts geschieht. Es ist ein Tag des Wartens, der Ungewissheit. Doch er spricht zu den Zeiten in unserem eigenen Leben, in denen Gott fern oder still erscheint. Der Karsamstag erinnert uns daran, dass Gott auch dann wirkt, wenn wir es nicht sehen. Die Geschichte ist nicht zu Ende.

Schließlich bricht Ostern mit Licht herein. Nicht als Verneinung des Kreuzes, sondern als seine Erfüllung. Die Auferstehung sagt uns, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Die Sünde nicht das letzte Wort hat. Die Verzweiflung nicht das letzte Wort hat. Christus hat es.

Die Karwoche ist nicht nur das, was vor zweitausend Jahren geschah. Sie betrifft das, was jetzt in uns geschieht. Sie fragt, wo wir in dieser Geschichte stehen. Ob wir Christus willkommen heißen, ihn ignorieren, ihm folgen oder uns abwenden. Und noch wichtiger: ob wir bereit sind, mit ihm zu gehen – ganz durch das Kreuz hindurch –, im Vertrauen darauf, dass er uns in ein neues Leben führt.

  • Hector Pascua