Ostern: Das zentrale Geheimnis im Herzen des Christentums

Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 5. April — ein Datum, das für Christinnen und Christen weltweit weit mehr bedeutet als den Beginn des Frühlings. Ostern ist das Fest, in dem sich der Kern des christlichen Glaubens bündelt: das Gedächtnis an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Im Rhythmus des Kirchenjahres bildet es den Höhepunkt, das „Fest der Feste“, den entscheidenden Wendepunkt der christlichen Heilsgeschichte.

Ein Fest mit Wurzeln in der frühen Kirche

Ostern ist das älteste und traditionsreichste Fest des Christentums. Seit dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 wird sein Termin als der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt — und liegt damit zwischen dem 22. März und dem 25. April. 2026 fällt dieser Sonntag auf den 5. April.

Seine Ursprünge sind untrennbar mit dem jüdischen Pessachfest verbunden. Die frühe christliche Gemeinschaft verstand Tod und Auferstehung Jesu im Zusammenhang mit der Befreiungsgeschichte Israels aus der ägyptischen Sklaverei. Wie Pessach die Rettung und das rettende Handeln Gottes feiert, verkündet Ostern eine neue Form der Befreiung — von Sünde, Unrecht und letztlich vom Tod selbst.

Spätestens im 6. Jahrhundert nahm die Osterliturgie ihre bis heute vertraute Gestalt an. Die Feier beginnt am Samstagabend mit der Segnung des Osterfeuers und dem Entzünden der Osterkerze. Das Feuer, eines der ältesten Symbole für Leben und Erneuerung, erinnert an den Sonnenaufgang — ein starkes Bild für einen Neuanfang. Es folgen Lesungen aus dem Alten Testament, die den großen Bogen der Heilsgeschichte nachzeichnen.

Die Auferstehung: Ein Geheimnis jenseits der Beschreibung

Bemerkenswert ist, dass die Bibel den Moment der Auferstehung selbst nicht schildert. Stattdessen berichtet sie von Zeugnissen: von Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus, vom leeren Grab und von der Botschaft eines Engels, der verkündet, dass er auferstanden ist. Diese Berichte bilden das Fundament christlicher Hoffnung.

Der deutsche Erwachsenen-Katechismus bringt diese Hoffnung prägnant auf den Punkt: Die Auferstehung gibt die Gewissheit, „dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht und die Liebe über den Hass siegen wird — sogar über den Tod hinaus“. Ostern ist damit nicht nur Erinnerung, sondern eine lebendige Zusage, die bis heute wirkt.

Die Herkunft des Wortes „Ostern“

Auch sprachlich trägt das Fest eine besondere Geschichte in sich. Das deutsche Wort „Ostern“ — ebenso wie das englische „Easter“ — lässt sich auf althochdeutsche Begriffe wie Austro oder Ausro zurückführen, die „Morgenröte“ oder „aufgehendes Licht“ bedeuten. Verwandt ist dieser Ursprung mit dem griechischen eos („Sonnenaufgang“).

Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen findet sich im Jahr 738 beim angelsächsischen Mönch Beda, der den Begriff mit einer Frühlingsgöttin des Lichts in Verbindung brachte. Während viele Sprachen Varianten von Pascha (aus dem Aramäischen und Hebräischen) verwenden, hat der germanische Sprachraum einen eigenen Ausdruck bewahrt — einen, der Licht, Aufbruch und den Beginn eines neuen Tages symbolisiert.

Warum Ostern heute noch Bedeutung hat

In einer Welt, die oft von Unsicherheit, Konflikten und schnellen Veränderungen geprägt ist, wirkt die Botschaft von Ostern erstaunlich aktuell. Sie spricht von Verwandlung dort, wo Hoffnung verloren scheint, von Neubeginn angesichts scheinbarer Endgültigkeit und von einer Liebe, die sich nicht auslöschen lässt.

Für Gläubige ist Ostern daher mehr als die Erinnerung an ein vergangenes Ereignis: Es ist die Zusage, dass Erneuerung möglich bleibt — immer wieder. Wenn sich Menschen in Kirchen versammeln, in Wien und weltweit, tun sie dies im Vertrauen auf eine Geschichte, die seit Jahrhunderten trägt und bis heute inspiriert.

Im Kern ist Ostern das Fest eines anbrechenden Morgens — eines Lichts, das nicht mehr vergeht.