Straßenkreuzweg der Pfarre „Der Weg Jesu“ 2026 – Ein gemeinsamer Weg durch Leid, Hoffnung und Auferstehung

Zahlreiche Gläubige – darunter erfreulich viele Jugendliche – nahmen am diesjährigen Straßenkreuzweg der Pfarre „Der Weg Jesu“ teil. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg, um den Leidensweg Jesu zu betrachten und ihn mit dem eigenen Leben in Verbindung zu bringen. Drei Stationen führten durch den Pfarrhof Leopoldau, den Ingeborg-Bachmann-Park und schließlich in die Kirche Auferstehung Christi. Jede Station wurde durch Texte, Gebete, Musik und meditative Impulse gestaltet.

1. Station: „Verurteilung – Wenn Worte verletzen“

Im Pfarrhof Leopoldau stellte sich die Gemeinde zu Beginn „unter das Zeichen seines Kreuzes“. Die Texte erinnerten daran, dass Jesus nicht aufgrund eigener Schuld verurteilt wurde, sondern weil er unbequem war und Angst auslöste. Der biblische Impuls schilderte die Szene vor Pilatus, der Jesu Unschuld erkannte, sich jedoch dem Druck der Menge beugte.

Eine eindrucksvolle Mitmach-Meditation lud die Teilnehmenden ein, über verletzende und heilende Worte nachzudenken. Mit geschlossenen Augen hielten sie symbolisch ein verletzendes Wort in der linken und ein heilendes in der rechten Hand – und entschieden sich bewusst dafür, das eine loszulassen und das andere anzunehmen.

In den Fürbitten wurde für Menschen gebetet, die unter unfairen Urteilen, verletzenden Worten oder ungerechten Strukturen leiden. Jede Person erhielt einen Stein als Zeichen des persönlichen Nachdenkens: Wen habe ich verurteilt? Wo habe ich selbst Verurteilung erlebt?

2. Station: „Lasten teilen – Simon von Cyrene“

Firmlinge trugen das Kreuz weiter zum Ingeborg-Bachmann-Park, wo die Pfarrgemeinden Don Bosco und Heiliges Kreuz die zweite Station gestalteten. Im Mittelpunkt stand Simon von Cyrene, der gezwungen wurde, Jesus beim Tragen des Kreuzes zu helfen. Die Frage, ob diese Begegnung sein Leben verändert haben könnte, zog sich wie ein roter Faden durch die Texte.

Persönliche Gedanken machten deutlich, wie sehr Menschen heute auf Unterstützung angewiesen sind – und wie herausfordernd es sein kann, selbst Hilfe zu leisten. Eine Stimme erzählte von der Erfahrung, in größter Not auf jemanden zu treffen, der den eigenen Schmerz wahrnimmt. Eine andere reflektierte ehrlich über persönliche Grenzen: Helfe ich auch dann, wenn es mir nicht passt? Kann ich jemandem beistehen, den ich nicht mag?

Ein Gebet nach Mt 25 („Ich war hungrig … und ihr habt mir zu essen gegeben.“) schloss die Station ab. Die Gemeinde antwortete nach jeder Zeile: „Gott, gib uns die Kraft und den Mut, die Last für andere leichter zu machen.“ Auf dem Weg zur dritten Station kamen viele miteinander ins Gespräch über das Füreinander-Dasein und das gemeinsame Tragen von Lasten.

3. Station: „Durch den Tod ins Leben“

Die letzte Station führte in die Kirche Auferstehung Christi. Dort wurde die Gemeinde in die Tiefe des Kreuzesgeschehens geführt. Das Kreuz wurde als Verbindung zwischen Himmel und Erde gedeutet: Der waagrechte Balken steht für das menschliche Miteinander, der senkrechte für die Verbindung zu Gott.

Eine Lesung aus dem Lukasevangelium erinnerte an Jesu letzte Worte: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Ein gemeinsames Gebet griff diese Hingabe auf und verband sie mit der Hoffnung auf Verwandlung: „Ich lege meinen Geist in deine Hände und erwarte Verwandlung – vom Sterben zum Leben.“

Zum Abschluss wurde ein Auferstehungsbild beleuchtet und in Stille betrachtet – ein starkes Zeichen dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und das Licht eines neuen Tages bereits anbricht.

Segen und gemeinsamer Ausklang

Pfarrer Ivica Stankovic spendete den abschließenden Segen und wünschte, dass Gott die Menschen „durch Verurteilung und Verletzung, durch Müdigkeit und schwere Last, durch Dunkelheit und Tod“ begleite und sie mit der Hoffnung der Auferstehung erfülle.

Bei einer gemeinsamen Agape im Pfarrsaal klang der Abend in Begegnung und Gespräch aus – ein lebendiges Zeichen dafür, dass der Weg Jesu auch heute Menschen verbindet und stärkt.

  • Hector Pascua/Bilder H.C. Theussl